Ist die iPhone-Diktierfunktion privat? Was Apple mit Ihrer Stimme macht
Ein Tipp auf die Mikrofontaste ist der schnellste Weg, Text in ein iPhone zu bekommen. Doch wenn Sie Mandantennotizen, Patientendaten oder andere vertrauliche Inhalte diktieren, sollten Sie wissen, wohin diese Aufnahme geht. Manchmal verlässt sie Ihr Telefon nie, manchmal wird sie an Apple gesendet. So erkennen Sie den Unterschied, und diese Einstellungen sollten Sie prüfen.
Auf Ihrem iPhone oder auf den Servern von Apple
Die Datenschutzseite von Apple zu Siri und Diktierfunktion beschreibt zwei Fälle. Kann Ihr iPhone Ihre Sprache selbst erkennen, bleiben Aufnahme und Transkript auf dem Gerät. Kann es das nicht, wird das Diktierte zur Transkription an die Server von Apple gesendet. Welcher Fall eintritt, hängt etwa von Ihrer Sprache und Ihrem iPhone-Modell ab.
Laut Apple zeigt Ihr iPhone in den Tastatureinstellungen an, wenn die Diktierfunktion auf dem Gerät verarbeitet wird. Öffnen Sie dazu Einstellungen → Allgemein → Tastatur und lesen Sie den Hinweis neben dem Schalter „Diktierfunktion aktivieren“.
Es gibt auch einen einfachen Test: Schalten Sie den Flugmodus ein, öffnen Sie Notizen und diktieren Sie einen Satz. Erscheint der Text, hat Ihr iPhone ihn ohne Internetverbindung transkribiert, die Aufnahme hat das Telefon also nicht verlassen.
Was passiert, wenn Diktate an Apple gehen
Laut der Datenschutzseite von Apple gilt:
- Standardmäßig wird nichts gespeichert. Auf den Servern von Apple verarbeitete Diktate werden nicht gespeichert, es sei denn, Sie haben „Siri & Diktierfunktion verbessern“ aktiviert.
- Nichts ist mit Ihrem Apple Account verknüpft. Der Verlauf von Siri- und Diktieranfragen ist mit einer zufälligen Kennung verknüpft, die Ihr Gerät erzeugt und die sich mehrmals pro Stunde ändert.
- Gespeicherte Daten können bis zu zwei Jahre aufbewahrt werden. Laut Apple kann der Anfrageverlauf einschließlich Transkripten bis zu zwei Jahre lang aufbewahrt und genutzt werden, um Siri, die Diktierfunktion und verwandte Funktionen zu verbessern; eine geprüfte Teilmenge kann länger aufbewahrt werden.
Das ist umsichtiger als bei vielen Cloud-Transkriptionsdiensten. Es heißt aber, dass Sie sich auf eine Richtlinie und eine Einstellung verlassen, statt darauf, dass die Aufnahme Ihr Telefon nie verlässt.
Die Einstellung, die Sie prüfen sollten: Siri & Diktierfunktion verbessern
„Siri & Diktierfunktion verbessern“ ist optional. Ist die Option aktiviert, kann Apple eine Auswahl Ihrer Audioaufnahmen und Transkripte speichern und prüfen, um seine Dienste zu verbessern. Gehen Sie auf dem iPhone zu Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Analyse & Verbesserungen und prüfen Sie, ob Siri & Diktierfunktion verbessern deaktiviert ist. Auf einigen neueren iPhones heißt die Option „Siri & Apple Intelligence verbessern“.
Bis 2019 musste man dem nicht ausdrücklich zustimmen. Im August 2019 kündigte Apple an, Audioaufnahmen von Siri-Interaktionen nicht mehr standardmäßig aufzubewahren, Aufnahmen nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung prüfen zu lassen und dafür nur noch eigene Mitarbeiter einzusetzen.
Versehentliche Siri-Aufnahmen
Diktierfunktion und Siri sind getrennte Funktionen, teilen aber dieselben Einstellungen und dieselbe Datenschutzrichtlinie. In einer US-Sammelklage, Lopez v. Apple, warfen Nutzer Apple vor, Siri habe nach versehentlicher Aktivierung private Gespräche aufgezeichnet. Apple bestritt jedes Fehlverhalten, willigte aber ein, 95 Millionen Dollar für einen Vergleich zu zahlen, wie im Januar 2025 berichtet wurde. Wenn Sie die Sprachaktivierung nicht nutzen, können Sie in den Siri-Einstellungen das Achten auf „Siri“ oder „Hey Siri“ ausschalten, sodass Siri nur startet, wenn Sie die Seitentaste drücken.
Wo Ihr diktierter Text landet
Selbst wenn die Transkription auf Ihrem iPhone stattfindet, landet der Text in der App, in der Sie gerade tippen. Diktieren Sie eine Mandantennotiz in Notizen, wird sie wie jede andere Notiz mit iCloud synchronisiert. In der Übersicht von Apple zur iCloud-Datensicherheit gelten Notizen als auf den Servern verschlüsselt, wobei Apple die Schlüssel hält, es sei denn, Sie aktivieren den „Erweiterten Datenschutz“. Bewahren Sie eine Notiz im Account „Auf meinem iPhone“ auf, bleibt sie ganz aus iCloud heraus. Bei vertraulicher Arbeit ist der Speicherort des Textes genauso wichtig wie der Ort der Transkription.
Was das für vertrauliche Arbeit bedeutet
- Für alltägliche Nachrichten ist die integrierte Diktierfunktion in Ordnung, vor allem, wenn „Siri & Diktierfunktion verbessern“ deaktiviert ist.
- Bevorzugen Sie für Mandanten- oder Patientendaten eine Verarbeitung auf dem Gerät, die Sie überprüfen können. Der Flugmodus-Test ist die einfachste Prüfung.
- Denken Sie daran, wo der Text landet. Eine gesperrte Notiz in „Auf meinem iPhone“ oder eine App, die auf dem Gerät verschlüsselt, hält ihn aus der Cloud heraus.
- Ihre Berufsregeln gelten weiterhin. Verschwiegenheitspflichten erstrecken sich auf die Werkzeuge, die Sie nutzen, nicht nur auf das, was Sie sagen.
Kurze Checkliste
- Lesen Sie, was unter Einstellungen → Allgemein → Tastatur zum Ort der Verarbeitung von Diktaten steht.
- Diktieren Sie testweise im Flugmodus.
- Deaktivieren Sie „Siri & Diktierfunktion verbessern“.
- Löschen Sie Ihren Verlauf: Tippen Sie in den Siri-Einstellungen (auf neueren iPhones „Apple Intelligence & Siri“) auf „Siri- & Diktierverlauf“.
- Bewahren Sie vertrauliche Notizen an einem Ort auf, der nicht synchronisiert wird oder Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist.
Einen vollständig privaten Ablauf beschreibt unser Ratgeber Sprachnotizen auf dem iPhone ohne Cloud transkribieren.
Quellen
- Apple: Siri, Diktierfunktion & Datenschutz
- Apple Support: „Siri & Diktierfunktion verbessern“ aktivieren oder deaktivieren
- Apple Newsroom: Verbesserter Datenschutz bei Siri (August 2019)
- Apple Support: Übersicht über die iCloud-Datensicherheit
- Yahoo Finance: Apple zahlt 95 Millionen Dollar zur Beilegung einer Siri-Datenschutzklage